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Interview mit Gael Garcia Bernal
Thursday, 20. November 2008

Gael Garcia Bernal

© stadtderblinden.de

KICK IT LIKE SPIELBERG
In seinem neuen Film erblindet Gael Garcia Bernal auf mysteriöse Weise. Im wirklichen Leben blickt der junge Mexikaner aber voll durch – und erklärt, was eine berufliche Zusammenarbeit zwischen Kumpels erst möglich macht.


hennesy.cc: Gael, du hast unlängst mit deinem besten Freund, dem Kollegen Diego Luna, eine Produktionsfirma gegründet. Professionelle Zusammenarbeit macht die Freundschaft oft kaputt. Wie wappnest du dich dagegen?
Gael Garcia Bernal: Durch Fußball. Diego und ich spielen seit Ewigkeiten zusammen. Da haben wir bemerkt, dass wir uns auf unseren Positionen im Mittelfeld extrem gut aufeinander abstimmen können. Da war für uns klar, dass eine gemeinsame Produktionsfirma funktionieren wird. Wenn man sich beim Fußball streiten kann, ohne dass es der Freundschaft schadet, kann man auch zusammen arbeiten und bei unterschiedlichen Meinungen einen Konsens finden. 

hennesy.cc: Bei deiner Rollenwahl hattest du meist ein glückliches Händchen. In deiner Filmografie finden sich viele illustre Regisseure, die dich immer richtig in Szene gesetzt haben: Alfonso Cuarón, Pedro Almodóvar, Michel Gondry, Fernando Meirelles. Bist du wirklich so gut?
Gael: Da hat auch das Glück eine große Rolle gespielt, und zwar in zweierlei Hinsicht: Denn um eine gute Entscheidung treffen zu können, muss man die Drehbücher zu diesen Filmen erst einmal angeboten bekommen. Das war bei mir glücklicherweise der Fall. Dann muss man auswählen, vertrauen und sich mit Leib und Seele in ein Projekt stürzen. Ich habe gelernt, dass man sich noch so sehr anstrengen kann – am Ende entscheidet immer das Glück. Manche Projekte gelingen, und manche eben nicht. 

hennesy.cc: In Mexiko bist du ein Star. Manchmal entwickelt sich bei deinen öffentlichen Auftritten sogar eine regelrechte Massenhysterie. Wie gehst du damit um?
Gael: Ich empfinde das als Kompliment, da ich meinen Beruf ja gerne ausübe. Wenn die Leute wegen etwas ausflippen würden, hinter dem ich nicht stehen könnte, würde mir die ganze Aufregung wohl eher eine Psychokrise bescheren. Aber so kann ich darüber lachen und mich geschmeichelt fühlen.

hennesy.cc: Viele prominente Schauspieler beklagen sich darüber, dass die Hysterie um dich inzwischen unerträgliche Ausmaße annimmt.
Gael: Es hat schon etwas Erschreckendes, wenn man die Kontrolle verliert. Aber wenn man mal ganz ehrlich ist, hat man doch sowieso noch nie die Kontrolle gehabt. Insofern kann man sie auch nicht verlieren. Ich sehe den Rummel um meine Person sehr gelassen. Das ist etwas, was mal kurz aufflackert, aber mit der Zeit auch wieder von selbst vergeht. In Mexiko-Stadt zumindest kann ich relativ unbehelligt leben.

hennesy.cc: Ein normales Leben zu führen, ist dir wichtig?
Gael: In Mexiko führt niemand ein normales Leben, glaube mir. 

hennesy.cc: Kommt ganz drauf an, wie man „normal“ definiert.
Gael: Es ist so: Wenn ich dir sage, dass ich unter einem normalen Leben verstehe, mich frei von einem Ort zum nächsten bewegen zu können, würden die Mexikaner kontern: In dieser Stadt steht man doch die meiste Zeit im Stau! Ich sage nicht, es wäre falsch, ein stinknormales Leben zu führen, ganz im Gegenteil. Aber ich schätze an Mexiko, dass es ein Schmelztiegel ist, ein Platz der Begegnung. Mexiko ist wie eine Mücke, die dich sticht und infiziert. Ich liebe Städte voller Energie. Dass man mich dort weit weniger verfolgt, als es in Amerika der Fall wäre, ist ein Vorteil. Aber wirklich vergleichen kann ich das nicht, mit einem Leben in Hollywood kenne ich mich nicht aus. 

hennesy.cc: Du hast demnach auch noch nie überlegt, schlechte Filmrollen nur fürs Geld anzunehmen?
Gael: Ich hoffe, man hat in Hollywood begriffen, dass ich dafür nicht zu haben bin. Mein Image als Latin Lover hat sich nach „Schlechte Erziehung – La Mala Educacion“ zur Latindragqueen hin verschoben. Seit „Science of Sleep“ hält mich jeder nur für einen Latinpsycho. Wenigstens das Image des Schönlings habe ich so vermutlich ein für alle mal überwunden (lacht). 

hennesy.cc: Was magst du an Mexiko am liebsten?
Gael: Oh Mann, es ist echt viel leichter, sich über schlechte Dinge zu beschweren. 

hennesy.cc: Dann mach das doch.
Gael:  Nein, das wäre zu einfach. Lass mich überlegen. Mexikaner wissen, wie man im Leben Spass hat. Wir feiern exzellente Partys und haben einen guten Sinn für Humor. In meinem Land wird immer gelächelt – vielleicht liegt das an der vielen Sonne.



DIE STADT DER BLINDEN

von Fernando Mereilles

Drama
(J/CAN/BRA)

Eine Epidemie macht die Menschen blind.
Es beginnt ohne Vorwarnung: Am Steuer seines Autos wird ein Mann (Yusuke Iseya) blind: Er sieht nur noch weißen Nebel. Allen, die er trifft, widerfährt das gleiche Schicksal: seiner Frau (Yoshino Kimura), seinem Arzt (Mark Ruffalo), dem guten Samariter (Don McKellar), der ihn nach Hause brachte. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Krankheit und die Regierung fällt eine Entscheidung. Alle an der Weißen Blindheit erkrankten Menschen werden in einer verlassenen Heilanstalt interniert, wo schnell das Chaos regiert. Und mittendrin ist der einzige Mensch, der von der Epidemie verschont bleibt: Die Frau des Arztes (Julianne Moore).



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