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"John Rabe" auf der Berlinale |
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Friday, 30. January 2009 |
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Ein Spielfilm erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte des deutschen Kaufmanns John Rabe, der im Jahr 1937 250.000 Chinesen das Leben rettete. Wegen seines selbstlosen Einsatzes wird er auch der "Schindler Chinas" genannt. In der Reihe "Berlinale Special" feiert "John Rabe" unter der Regie des deutschen Oscarpreisträgers Florian Gallenberger mit Ulrich Tukur in der Titelrolle Weltpremiere.
Das 15-Millionen-Euro-Drama, eine ZDF-Koproduktion, beruht auf den Tagebüchern des hanseatischen Kaufmanns (gespielt von Ulrich Tukur), der mit seiner Frau Dora (Dagmar Manzel) fast 30 Jahre in China lebte. Seit 1911 arbeitet er dort für Siemens, ab 1931 in Nanking, der damaligen chinesischen Hauptstadt, und steigt zum Leiter der Niederlassung auf.

Ulrich Tukur als John Rabe
Typisch und untypisch deutsch
1934 tritt er der NSDAP bei, um in Nanking eine deutsche Schule gründen zu können. Rabe ist kein glühender Nazi, aber überzeugter Patriot. Die deutsche Politik nimmt er nur aus der Ferne wahr - er täuscht sich in Hitler und dessen Regime, glaubt lange an ihn. Rabe - verheiratet, zwei Kinder, Diabetiker, penibel und korrekt - ist nicht ideologisch, aber gern Chef, er genießt seine Position. Vieles an Rabe ist typisch deutsch und vieles untypisch, widersprüchlich. Er spricht kaum chinesisch, die Chinesen sind für ihn schon mal ein "tölpelhaftes Bauernvolk" - und doch rettet er beherzt Hunderttausende.

Der jüdische Diplomat Dr. Rosen (Daniel Brühl) schlägt vor, eine Sicherheitszone für chinesische Zivilisten einzurichten
1937 fallen die Japaner in China ein, in diesem Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg vergewaltigen und plündern sie, töten Zivilisten, unzählige werden bestialisch massakriert. Die meisten Ausländer flüchten. Voller Abscheu notiert Rabe die Gräueltaten in seinem Tagebuch. In seinen Aufzeichnungen erscheint er nicht als Nazi, sondern als Mensch mit Gerechtigkeitssinn und christlichen Grundsätzen: "Man möchte doch ein anständiger Kerl bleiben. Man kann doch seine Untergebenen mit ihrem Anhang nicht im Stich lassen. Das ist doch selbstverständlich."
Wächst über sich hinausRabe bleibt - und wird zum Helden. Er richtet mit den verbliebenen Ausländern eine internationale Schutzzone ein. Weil Japan mit Deutschland verbündet ist, wird er Vorsitzender des "Internationalen Hilfskomitees zur Rettung der chinesischen Zivilbevölkerung". Ein kluger Schachzug, wie sich herausstellt: Mit Hakenkreuzbinde, dem einzigen Zeichen, vor dem die japanischen "Herrenmenschen" Respekt zeigen, tritt der damals 55-jährige Rabe den marodierenden Truppen entgegen. Rabe wächst über sich hinaus, er setzt seine Gabe für Organisation, Menschenführung, Improvisation, sein diplomatisches Geschick ein, wo er nur kann. Die vier Quadratkilometer große Schutzzone rettet 250.000 Leben - etwa 300.000 Menschen schlachten die Japaner in Nanking ab.

Die Hakenkreuzfahne in Rabes Garten sollte vor Bombenangriffen schützen (Filmszene)
Allein Rabes Privatgrundstück bietet 650 Menschen Sicherheit vor Vergewaltigung und Hinrichtung. In der Realität wie im Film wird eine riesige Hakenkreuzfahne im Garten aufgespannt - sie dient als schützender Unterstand bei Bombenangriffen. Viele der im Film gezeigten Grausamkeiten wirken wie nachgestellte Dokumentaraufnahmen.
Zum Schweigen gezwungen
Voller Zivilcourage schreibt Rabe sogar an Hitler, bittet ihn, bei den Japanern zu intervenieren - und erhält keine Antwort. Im März 1938, nach dem Massaker, wird er gegen seinen Willen nach Deutschland zurückgerufen. Hier endet der Film. John Rabe hält daheim Vorträge über das Massaker, bemüht sich um ein persönliches Gespräch mit Hitler, denn er glaubt, dieser sei von den schrecklichen Vorgängen nicht informiert gewesen. Sein Engagement bringt ihn in die Fänge der Gestapo, er wird verhört und zum Schweigen gezwungen.
Bei Kriegsende hat Rabe wegen seiner Parteimitgliedschaft große Schwierigkeiten bei der Entnazifizierung, die Briten entziehen ihm zeitweilig seine Arbeitserlaubnis. 1950 stirbt "der gute Deutsche" verarmt und vergessen in Berlin. Erwin Wickert - Vater von Ulrich Wickert und früher deutscher Botschafter in China -, der Rabe persönlich kannte, editierte Rabes Tagebücher 1997.
Heute als "lebender Buddha" verehrt
Rabes einstiges Wohnhaus in Nanking ist heute ein Museum, in China wird Rabe als "lebender Buddha" verehrt. Die japanische Regierung dagegen weigert sich bis heute, das Ausmaß des Massakers von Nanking offiziell anzuerkennen. Ulrich Tukur erhielt für seine Darstellung bereits den Bayerischen Filmpreis. Der Film wird dafür sorgen, dass die Verdienste des großen Humanisten Rabe endlich von einem breiten Publikum gewürdigt werden.
FILMINFO
John Rabe
Kriegs-Drama
Deutschland 2009
Regie: Florian Gallenberger
Darsteller: Ulrich Tukur, Daniel Brühl, Steve Buscemi, Jingchu Zhang u.a.
Kinostart: 02.04.2009
Eine glaubwürdige, eindrucksvolle Darstellung, für die Tukur zu Recht bereits den Bayerischen Filmpreis erhalten hat. Neben ihm ist ein hervorragendes Schauspielerensemble zu sehen: Dagmar Manzel, Steve Buscemi, Daniel Brühl und Anne Consigny. "John Rabe" hat alles, was großes Kino ausmacht: Eine bewegende, packende Geschichte, eindringliche Bilder, großartige Darsteller.
Fotos © Majestic
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