Hier ersehen Sie die Filmrezensionen der gesehenen Filme auf der Berlinale 2009... Rezensionen by Hennesy del Prado
THE DUST OF TIME - I skoni tou chronou – (Sektion Wettbewerb – außer Konkurrenz)
Regie: Theo Angelopoulos Griechenland, Italien, Deutschland, Russische Föderation 2008
125 min.
Darsteller:
Willem Dafoe
Bruno Ganz
Michel Piccoli
Irene Jacob
Inhalt: Im zweiten Teil des historischen Panoramas von Theo Angelopoulos macht sich A., ein Filmregisseur um die 50, an die Verfilmung des Lebens seiner Eltern Spyros und Eleni. Auf die Liebesgeschichte der beiden griechischen Emigranten haben die historischen Ereignisse immer wieder Einfluss genommen: Im Zweiten Weltkrieg voneinander getrennt, emigrierte Spyros in die USA, Eleni verschlug es infolge des Bürgerkriegs in Griechenland zusammen mit anderen politischen Exilanten in die Sowjetunion. Der Vietnamkrieg wiederum zwang A., nach Kanada zu fliehen, während der Fall der Berliner Mauer den Anfang einer neuen Ära in seinem Leben markierte.
Beide Zeitebenen sind im Film vielfach miteinander verwoben: Nach Stalins Tod reist Spyros unter falschem Namen heimlich nach Taschkent, doch er wird enttarnt, Eleni nach Sibirien verbannt. Dort trifft sie Jacob wieder, einen deutschen Juden aus Taschkent, der ihr bis 1974 – ihrer Ausreise nach New York – treu zur Seite steht. Jacob folgt ihr sogar nach Toronto, wo sie sich mit A. trifft, den Eleni einst von Jacobs Schwester aus Sibirien zu Spyros in die USA schmuggeln ließ.
Jahre später besuchen Eleni und Spyros, die sich zur Rückkehr in ihre Heimat Griechenland entschlossen haben, A. in Berlin, wo dieser inzwischen lebt – genau wie Jacob. Gemeinsam feiert man Silvester. Doch als A.s Tochter Eleni einen Selbstmordversuch unternimmt, von dem erst die Großmutter ihre Enkelin abbringen kann, nimmt der Abend einen fatalen Verlauf...
hennesy.cc sagt: So stellt man sich doch europäisch-geprägtes Arthouse-Kino vor. Minutenlange Einstellungen, repetitive Dialoge, hölzern und überzogen das Schauspiel, eingefangen in Zeitlupen-Zoomfahrten. Theo Angelopoulos hat sich auch gleich an ein überpoetisiertes Politik-Liebesepos gewagt, das sich über zwei Kontinente und knapp 50 Jahre erstreckt. Gefangen im System versucht Spyros, seine griechische Geliebte aus ihrem sowjetischen Exil zu befreien. Klappt nicht – sie wird nach Sibirien geschickt. Jahrzehnte später gibt es ein Wiedertreffen, das auch vom gemeinsamen Sohn (= Regisseur) erforscht wird. Viele Wege führen nach Berlin, Kanada, Sibirien und und und. Der Soundtrack liefert schön einlullende Klaviersonaten, Traumbilder vermengen sich mit den Schlafliedern. Zwischenzeitlich funktionieren die sedativen Klangkonstellationen wieder so eindrucksvoll, dass absurde Figurenarrangements nicht mehr so übel aufstoßen. Nur hat man abschließend nur Beileid für die Darsteller wie Willem Dafoe und Bruno Ganz übrig, die so uninspiriert und pseudo-theatralisch diesem überambitionierten Drehbuch und der larmoyanten Regie ausgeliefert wurden.
Darsteller: Alex Loynaz Justina Machado Hale Appleman DaJuan Johnson Matt Barr Jenn Liu Karolina Luna Anibal O. Lleras Theresa Hernandez
Inhalt: Als Pedro Zamora am 11. November 1994 im Alter von 22 Jahren starb, trauerten Menschen in aller Welt um ihn. Bekannt geworden war der in Havanna geborene junge Mann durch seine Mitwirkung in der MTV-Reality-Show „The Real World: San Francisco“. In das Haus auf der Lombard Street, in dem die Dreharbeiten stattfanden, war er im Februar 1994 eingezogen. Seine Mitwirkung hatte für Aufsehen gesorgt, weil Pedro Zamora HIV-positiv war und seine Homosexualität nicht verbarg. Für das jugendliche MTV-Publikum wurde der intelligente, gut aussehende und mit Starpotenzial gesegnete Latino zur Identifikationsfigur. Seine Anwesenheit in „The Real World“ führte dazu, dass sich die Zuschauer nicht nur in den USA mit Aids befassen mussten, und selbst Bill Clinton erwähnte ihn in einer Rede vor dem Kongress in diesem Zusammenhang als vorbildlich.
Der Spielfilm über Pedro Zamoras Leben schildert seine Kindheit in Havanna als das jüngste von acht Geschwistern, seine Ausreise mit einem Teil der Familie in die USA 1980, den Tod der krebskranken Mutter, sein Wirken als Aids-Aktivist, seine Zeit in „The Real World“ und die kurze Zeit des Engagements, die ihm danach noch blieb. Mit ihm beeindruckte er nicht nur die eigentliche Zielgruppe, sondern damals schon die Filmproduzenten Richard Glatzer und Wash Westmoreland: „Im jungen Alter von 17 Jahren erhielt er, was damals einem Todesurteil gleichkam – die Diagnose, HIV-positiv zu sein –, und verwandelte dies in positive Energie. Statt in Depressionen zu versinken, engagierte er sich als Aktivist. Er wollte das Bewusstsein der Menschen verändern – und er hat es verändert. Er tut es noch immer.“
hennesy.cc sagt:
Nick Oceano zeigt in diesem Drama, wie schicksalhaft das Leben von Pedro war. Neben dem Krebstod seiner Mutter und an seiner eigenen unheilbaren Erkrankung hat Pedro der Welt gezeigt, dass es sich auch nach solchen Schicksalschlägen lohnt, sein Leben bis zur letzten Sekunde auszukosten und sich zu engagieren.
Ein 17-jähriger Junge, der Rollerskaten und Madonna liebt, der nur mehr 5 Jahre zu leben hat, und dies zu dem Zeitpunkt nicht weiß, hat in "The Real World" gezeigt, wie es ist offen schwul und sterbenskrank zu sein.
Pedro Zamora wurde von Alex Loynaz äußerst löblich verkörpert, auch der gesamte Cast ist positiv zu erwähnen. Perfektes Zusammenspiel mit einer traurigen Hintergrundstory. Als zum Ende des Filmes die Szenen von dem echten Pedro aus "The Real World" zusammen mit seinem Freund gezeigt wurden, war es äußerst still und viele zeigten sich traurig und betroffen. Bill Clinton hat ihn zudem nicht nur positiv in einer Rede erwähnt, er teilte ihm das persönlich durch einen Anruf mit.
THE INTERNATIONAL – (Sektion Wettbewerb - Eröffnungsfilm)
Regie: Tom Tykwer USA / Deutschland 2008 118 min.
Darsteller: Clive Owen
Naomi Watts
Armin Mueller-Stahl
Brian F. O'Byrne
Ulrich Thomsen
Jack McGee
Victor Slezak
Patrick Baladi
Nilaja Sun
Luca Calvani
Luca Barbareschi
Inhalt: Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) sind entschlossen eine der mächtigsten Banken der Welt zu Fall zu bringen. Während sie eine Reihe illegaler Aktivitäten aufdecken, folgen Salinger und Whitman der Spur des Geldes von Berlin nach Mailand, New York und Istanbul.
Bald schon befinden sie sich mitten in einer hochriskanten Hetzjagd rund um den Globus, bei der sie durch ihre kompromisslose Hartnäckigkeit auch ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen: Denn ihre Zielpersonen machen vor nichts halt - nicht einmal vor Mord - um auch weiterhin Terroranschläge und Kriege finanzieren zu können.
hennesy.cc sagt: „I am the one you burn“!... Wie cool kann es sein,
jede Bombe, die im Hintergrund explodiert, ohne ein Blinzeln hinzunehmen, jeder
Kugel, die einem um die Ohren fliegt, mit viel Geschick auszuweichen? Wie cool
kann es aber auch sein, als psychisch labiler Held durch eine Geschichte zu
stolpern, die mit Rückschlagen nicht geizt und nie im Guten zu enden scheint?
Klassisch
erzählt und im Mantel des Thrillergenres erscheint es für Tykwers Film am
Anfang schwierig, seine symbolischen Anspielungen zu verpacken. Zunächst ergeht
er sich in Konventionen, Spannung wird durch das typische Verwirrspiel um
Wissen und Nichtwissen erzeugt. Aber Tykwer hat es doch geschafft, seinen
eigenen Film zu machen. Am besten gelingt ihm dies in der Shoot-Out-Szene, für
die das Guggenheim-Museum in New York nachgebaut werden musste.
Darsteller:
Renée Zellweger
Kevin Bacon
Logan Lerman
Mark Rendall
Inhalt: Eine Geschichte vom Erwachsenwerden – wobei allerdings offenbleiben muss, ob sich dies ausschließlich auf die beiden heranwachsenden Söhne George und Robbie Devereaux bezieht oder nicht vielmehr auch auf ihre flatterhafte Mutter Ann. Als diese ihren Ehemann, den Bandleader Dan Devereaux, beim Ehebruch ertappt, schnappt sie sich ihre beiden Jungs, setzt sie in einen neuen, glänzenden „El Dorado“-Cadillac und sieht zu, dass sie Land gewinnt. Fortan macht das Trio die Highways unsicher. Ruhelos geht die Fahrt von Stadt zu Stadt, stets auf der Suche nach Beständigkeit, Bargeld und einem neuen Ehemann und Ernährer – wobei Ann nicht notwendigerweise auf dieser Reihenfolge besteht. Als George in der Schule und in seinem jungen Triebleben die für das Alter typischen Probleme durchlebt, ist Ann nur allzu bereit, jedem erstbesten Verehrer ihr Herz zu schenken – nur um schnell zu merken, dass er nicht der Richtige ist. So setzen sie ihren Weg nach Westen fort, wo die überraschende Begegnung mit einer vertrauten Person auf Ann wartet. Sie sieht sich vor eine entscheidende Frage gestellt: Sucht sie wirklich nach einer Zukunft für ihre beiden Söhne? Oder läuft sie nur vor ihrer eigenen Vergangenheit davon?
hennesy.cc sagt: US Ostküste 1953: "My One and Only" handelt von einer Mutter mit Herz und hohem Männerverschleiß, die mit ihren zwei Söhnen gen Kalifornien von Boston über Pittsburgh, St. Louis, Albuquerque, Nolbrook bis L.A. zieht. Ausgerechnet in Hollywood reift das Trio zur echten Familie. Der schwule Robbie knickt seine Schauspielerträume, Heterosohn George wird für den Film entdeckt.
Dieses Tragikomödie ist mit guter Musik unterlegt (schon im Vorspann), eine umwerfende Reneé Zellweger und ein gereifter Nick Stahl harmonisieren perfekt mit dem Gesamtcast. Die
Geschichte dieses witzigen, romantischen Roadmovies beruht auf den
Kindheitserlebnissen des Schauspielers George Hamilton (Der Pate 3), geboren 1939,
der als Junge mit seiner Mutter und seinem Bruder durch die Vereinigten
Staaten tingelte. Der Filmtitel ist auch gleichzeitig der einzige Hit des Vaters Dan Devereaux. War "Chérie" der Festivalchampagner, liefert "My One and Only" die Luxuslimonade. Einige Kritiker zischen, vielen schmeckts. Ein "Sentimental Journey" im Cadillac. Filminfos hennesy.cc Filmbewertung: 10/10 * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * THE MESSENGER – (Sektion Wettbewerb) Regie:Oren Moverman USA 2008
105 Min.
Darsteller: Ben Foster
Woody Harrelson
Samantha Morton Jena Malone
Steve Buscemi
Eamonn Walker Inhalt: Will ist bei der US-Army. Er hat einen Militäreinsatz im Irak und längere Aufenthalte in diversen Armeelazaretten hinter sich, denn der Einsatz im Nahen Osten hat ihm einige Verwundungen eingebracht. Nicht nur sein Körper hat Narben davongetragen: Weil seine Freundin zu Hause ihr Leben lebt, ist er auch seelisch verletzt. Will hat noch drei Monate Dienstzeit vor sich. Doch eine erste Chance zu einem Neubeginn ergibt sich bereits, als er ins Casualty Notification Office versetzt wird. Hinter dem schönen Euphemismus verbirgt sich jene Dienststelle, die die Angehörigen getöteter Soldaten vom Ableben der Gefallenen zu informieren hat.
Selbst nur knapp dem Tode entkommen, übermittelt Will fortan Todesnachrichten – mit Tony steht ihm dabei ein älterer, erfahrener Offizier zur Seite. In Anbetracht ihrer traurigen Dienstleistungen entwickelt sich zwischen den beiden Männern so etwas wie eine solidarische Verbundenheit, die ihnen helfen soll, ins „normale“ Leben zurückzukehren – auch wenn sie wissen, dass es für sie eine Normalität nicht mehr geben wird. Oder womöglich doch? Denn eines Tages kommt Will über seine neue Aufgabe mit einer jungen Witwe in Kontakt. Dass er sich in die Frau eines getöteten Kameraden verliebt hat, stürzt ihn kurz darauf allerdings zunächst einmal in ein moralisches Dilemma...
hennesy.cc sagt: The Messenger fängt relativ vielversprechend an: Der verwundete First Sergeant Will Montgomery hat noch 3 Monate Dienst zu tun und die soll er als Überbringer von Hiobsbotschaften leisten. Zusammen mit Captain Tony Stone muss er die Familien verstorbener Soldaten aufsuchen und diese über den Tod des Angehörigen unterrichten.
Es ist durchaus interessant, etwas über die vielen Vorschriften zu erfahren, die die Army für diese Fälle natürlich - sogar in Buchform - erstellt hat. Kein Körperkontakt und exakte Wortwahl sind nur zwei Beispiele daraus. Nach den ersten Aufträgen wird dem Zuschauer auch klar, dass diese Vorschriften nicht so unsinnig sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Besonders der vorgegebene Text, an den sich unsere Todesengel klammern können, hilft in den unterschiedlichsten Situationen, mit denen sie nicht umgehen können, doch sehr weiter.
Der verwundete Will quält sich nebenher weiter mit seinen eigenen Wunden, trifft sich sogar mit seiner Ex-Freundin Kelly. In einem allzu durchsichtigen Manöver uns zu zeigen, was so alles auf der Strecke bleibt, wird uns diese Ex-Freundin zweimal präsentiert. Beim zweiten Mal möchte Will eine Rede auf Kelly und ihren Verlobten halten und verfällt, da ihm nichts anderes einfällt, auf den Anfang des Textes seiner Hiobsbotschaften. Zwar im Moment ganz witzig, unterstreicht diese Szene nur die Schwäche von The Messenger: den verzweifelten Versuch uns zu vermitteln, was so alles dem Krieg zum Opfer fällt - Soldaten, Ehen und Liebesbeziehungen, das geordnete Leben der Hinterbliebenen. Kinder, die nie ihre Väter kennen lernen werden. Soldaten, die zwar überleben, aber nie über ihre Erlebnisse hinwegkommen werden.
The Messenger leidet generell unter der Tendenz, uns wichtige Dinge via Dialog zu erzählen, statt sie uns zu zeigen. Da helfen auch die besten schauspielerischen Leistungen nichts.
Außerdem lässt der Film eines kläglich vermissen: Eine interessante Geschichte, Plot. Nur mühsam kommt man zu etwas wie dem zweiten Akt, nur um dann in einem Stillstand zu verharren, aus dem man nicht wieder herausfindet. Statt uns eine Geschichte zu erzählen und diverse Gesichtspunkte hineinzuarbeiten, präsentieren die Autoren Oren Moverman und Alessandro Camon die verschiedenen Aspekte des Verlusts und dann noch einmal und dann noch einmal, bis es auch der begriffstutzigste Zuschauer hoffentlich kapiert hat. Auf diese Art sind wenigstens einige gute Kritiken garantiert und eine Auszeichnung für das Drehbuch... Filminfos hennesy.cc Filmbewertung: 5/10
Darsteller: Demi Moore
Parker Posey
Rip Torn
Ellen Barkin
Christian Camargo
Inhalt:
Laura (Demi Moore) und Jane (Parker Posey) kümmern sich seit dem Tod ihrer Mutter um ihren kranken Vater. Er leidet an einer Nervenkrankheit, die mit schleichender Demenz einhergeht. Er ist nicht mehr in der Lage, alleine zurecht zu kommen. Die beiden Schwestern wechseln sich Woche für Woche in der Pflege ihres Vaters ab, was eine große Belastung für ihr Leben darstellt, schließlich lebt Jane in San Francisco und muss jedes Mal von der Westküste der USA nach Pittsburgh fliegen. Ihr Privatleben ist ebenfalls stark unter Druck, in der Ehe von beiden kriselt es schon seit längerem. Eines Tages erfahren sie, dass sich der Zustand ihres Vaters verschlechtert hat und er noch maximal ein Jahr zu leben hat.
hennesy.cc sagt:
Die
Geschichte, die in Happy Tears erzählt wird, kennt man schon zum Beispiel aus
"Marvins Töchter". Dennoch unterscheidet sich dieses Drama in all
seinen lieblichen Details und der sympathischen Charaktere und ganz besonders,
mit wieviel Charme die Story erzählt wird.
Die aberwitzige Parker Posey glänzt in manchen Szenen und könnte als weiblicher
Jim Carrey durch gehen! Highlight ist wohl Mrs. Kutcher, die endlich wieder
back to screen ist.