|
|
|
|
Hennesy.cc Achtung Berlin 09 Filmrezensionen |
|
Thursday, 7. May 2009 |

| NEW BERLIN FILM AWARD
Hier ersehen Sie die Filmrezensionen der gesehenen Langfilme auf dem Achtung Berlin 09 Filmfestival...
Rezensionen by Hennesy del Prado
Im nächsten Leben

Regie: Marco Mittelstaedt
location berlin brandenburg | regie berlin | produktion berlin
D 2008, Spielfilm 82 Minuten, 35mm
Darsteller: Edgar Selge, Anja Schneider, Ralf Dittrich, Marie Luise Stahl, Silvina Buchbauer, Knut Berger, Henning Peker, Daniel Fripan, Ludwig Trepte u.a.
  
Inhalt:
Zu DDR-Zeiten fuhr Wolfgang Kerber als Sportreporter um die Welt. Mit der Wende muss er sich auf das neue System und die sensationsorientierte Berichterstattung einstellen. Nicht nur diese Umstellung fällt ihm schwer, sondern auch die zunehmend unterkühlte Beziehung zu seiner in Wolfen lebenden Tochter. Als dort ein 15-jähriges Mädchen verschwindet, wittert Kerber seine Chance auf einen Scoop. Es dauert nicht lange und er verstrickt sich immer tiefer in diesem Fall - bis er anfängt seine eigene Geschichte zu manipulieren...
hennesy.cc Filmbewertung: 8/10
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Distanz

Regie & Drehbuch: Thomas Sieben
location berlin | regie berlin | produktion berlin
D 2008, Spielfilm, 82 Minuten, BetaSP
Darsteller: Ken Duken, Franziska Weisz, Josef Heynert, Jan Uplegger, u.a.
Inhalt:
Daniel ist jung, gutaussehend und arbeitet im Botanischen Garten. Doch der wortkarge und unauffällige Mann lebt ohne soziale Kontakte, ohne Leidenschaften und Emotionen. In dieser abgeschlossenen Welt kompensiert er Ungewohntes, Ärgerliches oder Gefühlvolles ohne zu zögern mit erschreckender Gewalt. Als seine Kollegin Jana sich ihm zu nähern versucht, gerät sein Leben durcheinander. Jana ahnt nichts von Daniels dunkler Seite. Für einen Moment erreichen die beiden ein perfektes Gleichgewicht- Daniel hat seine Dämonen unter Kontrolle und Jana ihre Sehnsucht nach Liebe gestillt. DISTANZ ist die eindrucksvolle Nahaufnahme eines Menschen, wie er mitten unter uns leben könnte- mit regungsloser Fassade und unberechenbaren Abgründen.
 
hennesy.cc sagt: Ein bisschen komisch ist er ja schon. Aber erst mal nicht unsympathisch. Der Gärtner Daniel er ist recht schweigsam und wird regelmäßig von seinem großmäuligen Kollegen provoziert – was aber einfach an ihm abzuperlen scheint. Eines Abends steht er dann aber mit einem kleinen Kieselstein in der Hand auf einer Autobahnbrücke. Er dreht und wendet den Stein zwischen den Fingern, und irgendwann lässt er ihn fallen.Was relativ harmlos anfängt steigert sich im Laufe des Films zu einem sehr bedrohlichen Exzess: Unmotivierte, unangekündigte Ausbrüche von Gewalt, die mehreren Menschen das Leben kosten – vor allem, nachdem Daniel durch Zufall ein Jagdgewehr in die Hände bekommt. Das Ungewöhnliche dabei: Nichts, aber auch gar nichts wird erklärt. Regisseur Thomas Sieben verzichtet aufs Psychologisieren und auch auf den moralischen Zeigefinger. Er hält einfach die Kamera als stummen Zeugen auf ein Geschehen, das dadurch umso erschreckender wird. Auf eine Person, die man in ihren Abgründen wohl auch nicht erklären kann. Ein dummer Spruch geistert einem immer wieder durchs Hirn: Der Mörder ist immer der Gärtner.
Am Morgen nachdem Daniel einen großen Stein von der Autobahnbrücke geworfen hat sehen wir ihn beim Frühstück. Ungerührt beißt er in sein Brötchen während im Radio die Nachrichten berichten, dass der Fahrer und die Beifahrerin in dem getroffenen Auto bei dem Unfall, den sein Steinwurf ausgelöst hat, ums Leben gekommen sind. Ken Duken spielt Daniel auf sehr angenehme, zurückhaltende Weise. Als Zuschauer ist man ambivalent: Einerseits verabscheut man diesen Typen, der anscheinend keine Gründe braucht, um Menschen einfach über den Haufen zu schießen, zutiefst. Auf der anderen Seite ist Daniel so sichtbar hilflos, dass automatisch der Helferinstinkt in einem geweckt wird.
Dieser Helferinstinkt befällt wohl auch die von Franziska Weisz mit sehr reduzierten Mitteln auf die Leinwand gebrachte Frau in Daniels Leben. Im Umgang mit Frauen ist Daniel besonders zurückhaltend, fast scheu. Als eine Arbeitskollegin sich in ihn verliebt, muss sie einiges an Geduld und Spucke aufbringen, bis er sie überhaupt ein wenig an sie heran lässt. Doch schließlich finden die beiden doch zueinander und eine zarte Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Daniels penibel ordentliche Wohnung wird durch die weibliche Hand ein wenig aufgehübscht, man fährt zusammen weg, turtelt, scheint glücklich zu sein. Doch Daniels Lust zu morden wird durch die Beziehung nicht ausgelöscht. Das Ende dieses nüchtern erzählten Films ist nicht wirklich überraschend – der Film selbst lässt einen aber auch Stunden später noch wieder nicht los.
hennesy.cc Filmbewertung: 9/10
www.distanz-film.com
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Evet, ich will!

Buch und Regie: Sinan Akkuş
location berlin | regie berlin | produktion berlin
Komödie, Deutschland/Türkei 2008 (90 min. / deutsch/türkisch)
Darsteller: Oliver Korittke, Heinrich Schafmeister, Ingeborg Westphal, Lale Yavas, Tim Seyfi, Idil Üner, Mürtüz Yolcu, Hülya Duyar, Eralp Uzun, Mickey Hardt u.a.
Inhalt:
Rund um ein Berliner Hochhaus führt "Evet, ich will!" fünf Paare zusammen - unter kulturell und familiär erschwerten Bedingungen! Der türkische KfZ -Mechaniker hat ein Problem: seine Auserwählte ist ein deutscher Mann. Der Radiomoderator und kurdische Metzgersohn Coskun will seine Freundin Günay heiraten, deren Vater wiederum würde sich eher die Hand abhacken, als seine frei erzogene Tochter einem Mann mit gläubiger Familie zur Frau zu geben. Ein Deutscher soll zum Islam übertreten, um seine Freundin heiraten zu können, während seine Eltern in "wilder" Ehe leben. Salih hofft auf den EU-Eintritt der Türkei und die schüchterne 38-Jährige Steuerfachgehilfin trifft ihren Traummann, obwohl keiner mehr damit gerechnet hat.
  
hennesy.cc sagt: "Evet, ich will" ist eine Hochzeitskomödie abseits entflohener Bräute und verhängnisvoller Polterabende. Statt neurotischer Junggesellen mit Torschlusspanik wird hier ein Reigen deutsch-türkischer Beziehungen porträtiert, der pointierter und temporeicher nicht sein könnte. Und obwohl es Regisseur Sinan Akkuş nicht darum ging, Klischees vorzuführen, gelingt es ihm dank der glänzenden Dialoge und der ausgezeichneten Besetzung, Altbekanntes in originellen Konstellationen aufeinander prallen zu lassen. Hierbei wird die innermuslimische Diskriminierung ebenso aufs Korn genommen wie der türkische Waldorfonkel und die pseudo-liberalen Alt-68er. Im Gegensatz zu so vielen missglückten oder trefflich mittelmäßigen deutschen Komödien werden die Charaktere nie missbraucht, um Witziges zu generieren. Akkuş liebt seine Figuren, und diese Liebe überträgt sich im Kino mühelos auf seine Zuschauer.
hennesy.cc Filmbewertung: 9/10
www.evet-ich-will.de
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Weitertanzen

Regie & Drehbuch: Friederike Jehn
regie berlin
D 2008, Spielfilm 85 Minuten, BetaSP
Darsteller: Marie-Christine Friedrich, Barnaby Metschurat, Stipe Erceg, Annika Martens, Marija Malena und Ingrid Caven
Inhalt:
Plötzlich ist er da. Der schönste Tag im Leben einer Frau. Die Feier ist perfekt organisiert. Mit einem Lächeln überspielt Maren die kitschige rosa Dekoration ihrer Hochzeitsfeier. Das Fest beginnt und das Brautpaar strahlt. Doch langsam tauchen im Verlauf der Feier immer mehr Schatten aus der Vergangenheit auf. Ihre Familie glänzt bis auf ihre extrovertierte Mutter durch Abwesenheit, dafür taucht plötzlich ihr Exfreund auf. Das Hochzeitspaar entfernt sich immer weiter voneinander. Während Maren versucht sich den schönsten Tag im Leben nicht vermiesen zu lassen, greift das Chaos zunehmend um sich. Die Hochzeit wird zum Horrortrip.

hennesy.cc sagt: „Weitertanzen“ oder die ultimative Horrorhochzeit, ist ein mit Symbolen aufgeladener Film. Die Filmemacherin Friederike Jehn versucht die Ängste der Hauptfigur – der Braut Maren – stark zu visualisieren und arbeitet viel mit bildlichen Metaphern und der Zuordnung von bestimmten Ängsten zu bestimmten Personen. Ein Konzept , das weitestgehend aufgeht. Bald fühlt sich der Zuschauer genauso gehetzt und deplaziert auf der Hochzeit wie Maren. Sie nimmt ihn mit auf ihre emotionale Achterbahnfahrt mit ihren Höhen und Tiefen. Die Handlung wird von der Hauptdarstellerin Marie Christine Friedrich sehr gut getragen und auch die beiden männlichen Protagonisten Barnaby Metschurat und Stipe Erceg füllen ihren Parts aus. Aufgrund der überall platzierten Symbolik wirkt der Film jedoch insgesamt sehr anstrengend und lässt ein wenig die Leichtigkeit vermissen. So bleibt der Zuschauer nach einem abrupten Ende etwas erschlagen zurück.
hennesy.cc Filmbewertung: 6/10
www.weitertanzen.de
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Ein Traum in Erdbeerfolie
Comrade Couture

Regie: Marco Wilms
location berlin | regie berlin | produktion berlin
D 2008 / 2009, Dokumentarfilm, 84 Minuten, DigiBeta
Darsteller: Klaus Ehrlich, Sabine von Oettingen, Frank Schäfer, u.a.
Inhalt:
Der Film unternimmt eine Reise in die wilde Parallelwelt der Mode- und Überlebenskünstler Ostberlins. Es gab eine Phantasiewelt inmitten des restriktiven DDR-Alltags. Wichtigstes Merkmal der Szene war der persönliche Style, denn den konnte man zu DDR-Zeiten nicht kaufen. Man musste sich in der Parallelwelt sein individuelles Image selber schaffen. Der Film erzählt von den Sehnsüchten, Leidenschaften und Träumen, die im Schatten der Mauer erprobt, gelebt und inszeniert wurden.
  
hennesy.cc sagt: Hier konnte man aus der Reihe tanzen, individuell und provokant sein. Der Regisseur Marco Wilms, damals selbst Model beim Modeinstitut der DDR, zieht los, um dieses einzigartige Lebensgefühl von ökonomischer Unbeschwertheit und radikalem Andersseinwollen im Hier und Jetzt wieder entstehen zu lassen. Er sucht die Helden seiner Ostberliner Jugend auf: die Designerin Sabine von Oettingen, den Fotografen Robert Paris und den Stylisten und Friseur Frank Schäfer und erkundet mit ihnen ihr schillerndes Parallelwelt-Leben. Nach zwei Jahrzehnten treffen die Mitglieder und Freunde der legendären Ostberliner Avantgarde-Modetheater „Chic Charmant und Dauerhaft“ und „Allerleirauh“ wieder zusammen auf einer vom Regisseur Marco Wilms initiierten subversiven Ostblockparty. Ein humorvoller Dokumentarfilm über Kreativität als Lebenselixier – und die nie endende Sehnsucht nach individueller Freiheit.
hennesy.cc Filmbewertung: 9/10
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Sprit

Regie: Ma Raab
location berlin | regie berlin | produktion berlin
D 2009, Spielfilm 71 Minuten, BetaSP
Darsteller: Mario Mentrup, Noah Amos Aron Matheis, Viktoria Deutschmann, Heinz Werner Kraehkamp

Inhalt:
SPRIT handelt vom unaufhaltsamen Verlust einer Lebensweise und dem bewussten Verdrängen dieser Tatsache. Ein kleines, fast nichtiges Schicksal innerhalb eines gigantischen gesellschaftlichen Umbruchs. Ein Autonarr am Ende des Ölzeitalters: Getrieben von einem Gedanken - Ich muss tanken.
hennesy.cc Filmbewertung: 3/10
www.maraab.de
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Jubiläumsprogramm Preisträger aus 5 Jahren Filmfestival »achtung berlin«
Preußisch Gangstar

Regie: Irma-Kinga Stelmach 88 Min.
D 2007, Spielfilm 88 Min., DigiBeta, Farbe
Darsteller: Mario Knofe, Benjamin Succow, Robert Ohde, Alina Staskowiak, Anne Helm, u.a.
  
Inhalt:
Preußisch Gangstar zeigt das Leben der drei Jungs Tino, Oli und Nico. Buckow, die Perle der märkischen Schweiz, wird zum Schauplatz für die alltäglichen Probleme der Jugend. Tino kämpft mit dem Hauptschulabschluss, prescht aber eigentlich viel lieber mit seiner MotoCross-Maschine durch den Wald. Oli arbeitet in einem Club. Sein Chef macht ihm ständig ärger und deswegen träumt er davon, eines Tages einen eigenen Club zu eröffnen. Nico ist ohne Ausbildung, auf Bewährung und arbeitslos. Seine Beats und Rhymes sind alles, was ihm noch bleibt. Der alltägliche Kampf mit schlechten Noten, Gewalt, Drogen, Freunden und Feinden wird schonungslos realistisch dargestellt. Einzig und allein durch ihre Freundschaft finden sie Halt. Zusammen sind sie "Preußisch Gangstar".
hennesy.cc Filmbewertung: 7/10
www.preussischgangstar-film.de
|
|
|
Werbung
|