Sie sind jung, erfolgreich und haben Millionen am Konto –
Teeniestars. Doch der Erfolg ist meist eine Gratwanderung. Teenie-Idole
zwischen Erfolgsdruck und fehlender Jugend.
Jonas Hämmerle strahlt: „Ich wusste nicht, wer weiter kommt,
das war superspannend. Und natürlich habe ich mich riesig gefreut, als ich
genommen wurde.“ Die Rede ist von Bully Herbigs Casting für seinen Film „Wickie
und die starken Männer“. 600 Kinder haben sich um die Rolle beworben – und Jonas
hat sie bekommen. Das Leben des Wickie-Darstellers wurde dadurch auf den Kopf
gestellt. Während den Dreharbeiten – insgesamt 3 Monate – konnte der Berliner
die Schule nicht besuchen und wurde aus seinem privaten Umfeld gerissen – die Dreharbeiten
fanden ja in Bayern und auf Malta statt. Dann folgten jede Menge
Promotiontermine. Und jetzt, nachdem der Film Platz eins in den heimischen
Kinocharts erobert hat? Jetzt ist wieder Ruhe im Leben des Elfjährigen eingekehrt:
„Er drückt wieder die Schulbank und ist für keinerlei Interviews erreichbar, es
soll wieder Normalität einkehren“, erzählt Ilona Hüttersen von Constantin Film.
Damit ist Jonas im Hype rund um die aktuellen Teeniestars allerdings die
Ausnahme.
„Schauspielern muss Spass machen, auch wenn manchmal der Stuntgurt drückt oder einem
kalt ist, wenn man ins Wasser gehen muss. Aber trotzdem muss immer Spass dabei sein
– wie beim Wickie Dreh,“ sagt Wickie-Darsteller Jonas Hämmerle.
Das Geschäft mit den Träumen
Wie Jonas träumen viele Kinder davon, ein Star zu sein. Und spätestens seit dem
Casting-Boom im TV, boomen auch hierzulande Castings für Kinder. Doch Christiane
Dreikauss, Gründerin des Verbands deutscher Nachwuchsagenturen, warnt: „Gerade
unseriöse Agenturen verdienen bei Castings sehr gut. Als Faustregel gilt: Geld sollte
erst bei Erfolg, sprich Vermittlung, an die Agenturen fließen. Anfänger können
für eine Darstellerrolle ab 250,- Euro pro Tag verdienen. Alle weiteren Gagen
beim Film & TV sind Verhandlungssachen auf Grundlage der vorhandenen Vita.“
Die Gagen in Hollywood spielen natürlich in einer anderen Liga. Allerdings ist
hier die Konkurrenz auch um ein Vielfaches größer. Kirsten Dunst musste sich
als Elfjährige zum Beispiel für ihre Rolle in „Interview mit einem Vampir“
gegen 5.000 Mitbewerberinnen durchsetzen. Und auch der Umgang mit den Kleinen
ist wesentlich professioneller als hierzulande: „Ein eigener Schauspielcoach,
Schulbetreuung und Kinderbetreuung am Set oder Nachhilfe nach Dreharbeiten ist
in den USA selbstverständlich – und zwar ohne zähe Verhandlungen seitens der
Agentur“, erklärt Dreikauss.
Unternehmergeist
Professionell ist vor allem auch das Marketing der Jungstars: Miley Cyrus,
gerade einmal 16 Jahre, feiert als Hannah Montana auf der Bühne und in den
Kinos weltweit Erfolge. Inzwischen gibt es Puppen, Schmuck, Bekleidung und Co. von
Miley. Sogar ihre eigene Biografie hat sie schon veröffentlicht. Ungeschlagen
bei der Selbstvermarktung sind aber nach wie vor die Olsen-Zwillinge: 700 Mio. Dollar
sind sie inzwischen schwer. 1991 wurde die Dual Star Entertainment Group
gegründet, um die beiden zu vermarkten. Seit ihrer Volljährigkeit sind sie
Präsidentinnen der Firma. Geschätzter Jahresumsatz: zwei Milliarden Dollar. Im
Angebot: alles von Make-Up über Parfüm und Mode bis hin zu Haushaltsgeräten.
Miley Cyrus verdient durch Marketing und Co. 25 Mio. Dollar im Jahr.
Talentschmiede Disney
Disney hat bei Miley Cyrus nicht das erste Mal ins Schwarze getroffen. Auch die
High School Musical Stars Vanessa Hudgens und Zac Efron wurden durch die Filme
weltberühmt. Disney war aber auch das Sprungbrett für Britney Spears, Christina
Aguilera und Justin Timberlake. Ihnen gelang ihr Durchbruch mit dem „Mickey
Mouse Club“ und zwar bereits im Alter von 12 Jahren. Justin Timberlake konnte
als Solokünstler bisher 5 Grammys abräumen. Sein Vermögen wird auf mehr als 50
Mio. Dollar geschätzt. Auch Christina Aguilera hat 4 Grammys gewonnen, ihr
neues Album erscheint im November.
In der Rolle gefangen
Auch Daniel Radcliffe alias Harry Potter hat es in die Riege
der Superstars geschafft. Den mittlerweile 20-Jährigen plagen allerdings
Zukunftsängste. Wie er Details Magazin mitteilte, bekam er fast einen
Herzinfarkt, als er erfuhr, dass J.K. Rowling plant, ein achtes Harry
Potter-Buch zu veröffentlichen: „Ich war der einzige Mensch auf der Welt, der
nicht wollte, dass noch ein achtes Buch erscheint.“ Die Gerüchte haben sich in
Luft aufgelöst und Radcliffe versucht, von seinem Image als Zauberlehrling
loszukommen. Und das nicht ohne Grund. Oder erinnern sie sich an Inger Nilsson?
Die Pippi Langstrumpf Darstellerin wird heute noch als Pippi auf der Straße
angesprochen – und konnte bis heute als Schauspielerin nicht Fuss fassen. Sie
lebt jetzt als Sekretärin in Stockholm.
Mit Misserfolgen umgehen
Die große Frage ist also, wem werden auch in zehn Jahren die
Fans zu Füssen liegen? Denn der Weg vom Kinderstar zum ernsthaften Charakter-Darsteller
ist kein leichter, zumal vielen Jungstars der Bezug zur Realität fehlt. „Kind-Sein
heißt, Fehler machen zu dürfen. Aber wie viele Fehler darf sich ein Star
leisten? Alles wird in die Öffentlichkeit gerückt, aus jedem kleinsten Fehler wird
ein Versagen. Und das belastet natürlich enorm“, erklärt Kinderpsychologe
Wolfgang Bergmann. Und wenn mit dem Alter der Niedlichkeitsfaktor sinkt, sind
Misserfolge kaum vermeidbar. Nur: mit diesen umzugehen, das haben die Jungstars
nie gelernt. „Sie werden nicht wirklich erwachsen, dazu sind sie viel zu
umworben, werden von Geschäftsleuten wie eine Investition behandelt. Sie werden
keine selbstständigen Erwachsenen und waren nie Kind – das ist ihre Tragödie“,
verdeutlicht Bergmann. Prominentestes Beispiel: Michael Jackson.
Drogen & Co
Aber nicht nur der King of Pop hat sich in Drogen
geflüchtet, zahlreiche ehemalige Kinderstars enden viel früher in der
Entzugsklinik. Drew Barrymore hat hier eine „Blitzkarriere“ hingelegt. Im Alter
von elf Monaten spielte sie in ihrem ersten Werbespot mit, mit sechs Jahren
gelang ihr der große Durchbruch in „E.T.“. Mit zehn Jahren war sie bereits
drogensüchtig, der erste Entzug folgte mit 13 Jahren, gefolgt von einem
Selbstmordversuch. Gegenüber dem „OK!“-Magazin sagte der Hollywoodstar: „Ich
habe noch nie gewusst, wie ich mich in einer Beziehung fühlen soll. Durch meine
Kindheit habe ich nie erfahren, was es heißt, ein glückliches Familienleben
oder eine glückliche Beziehung zu führen.“ Deshalb die Flucht in die Drogen. Aber
sie hat den Absprung geschafft, heute ist sie mit ihrer eigenen
Produktionsfirma erfolgreich und verdient rund 15 Mio. Dollar pro Film. Und
welcher Star kann schon behaupten, mit 15 Jahren seine Autobiografie
veröffentlicht zu haben?
Drew Barrymore war mit 10 Jahren drogensüchtig, machte mit 13 Jahren ihren
ersten Entzug und gehört heute wieder zur Top-Riege Hollywoods.
Nicht so glimpflich davon gekommen ist Judy Garland, bekannt
als Dorothy im „Zauberer von Oz“ (1939). Während dem Dreh wurde sie zur
Leistungssteigerung mit Aufputschmitteln vollgepumpt und kam nie von der Sucht
los. Im Alter von 47 Jahren starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten. Auch
Macaulay Culkin ging an seinem frühen Ruhm fast zugrunde. Durch „Kevin allein
zu Haus“ avancierte er mit 10 Jahren zum Star. Vier Jahre später ging es steil
bergab. Scheidungskrieg der Eltern, Alkohol, Drogen, Hochzeit mit 17 Jahren,
Scheidung mit 19. Heute hat er sich aus dem Filmbusiness fast völlig zurück
gezogen.
Macaulay Culkin war der erste Kinderstar, der für einen Film acht Mio. Dollar
Gage erhalten hat.
Karriere abseits der Schauspielerei
Ehemalige Kinderstars können aber auch abseits der Bühne ihr
Leben meistern – wie Shirley Temple. Sie erhielt gerade einmal mit sechs Jahren
einen Oscar und sang und steppte durch zahlreiche Filme. Als der Erfolg auf der
Leinwand als Erwachsene ausblieb, wechselte sie kurzerhand in die Politik und
wurde UN-Deligierte sowie Botschafterin in Ghana und Prag.
Anna Chlumsky, besser bekannt als Vada aus „My Girl“ tritt
nur noch ab und zu in kleinen Rollen auf. Ihren Lebensunterhalt verdient sie
als Restaurantkritikerin.
Auch Raven Symoné, die kleine Olivia aus der Bill Cosby
Show, hat das Fach gewechselt und als Sängerin vier Alben veröffentlicht.
Skandalfreier Erfolg
Dass nicht zwangsläufig der Absturz oder eine Umorientierung
nach der Kinderkarriere folgen müssen, beweist Jodie Foster. Sie wurde durch
ihre Rolle in Taxidriver als 13-Jährige weltberühmt. Nach ihrem Studium an der
Yale University begann sie wieder zu schauspielern. Vier Oscars später zählt
sie zu den Top-Schauspielerinnen in Hollywood und ist als Regisseurin und
Produzentin erfolgreich. Auch Scarlett Johansson hat den Sprung geschafft und
seit 2004 vier Golden Globes gewonnen. Und mit Sophie Marceau hat es auch ein
ehemaliger europäischer Kinderstar geschafft. Nach „La Boum“ hat sie allerdings
die Fronten gewechselt und spielt derzeit in „LOL“ die Mutter eines
pubertierenden Teenagers.
Die Gagenkaiser (Jahresverdienst 2008)
Miley Cyrus (Hannah Montana) 25 Mio. Dollar
Daniel Radcliffe (Harry Potter) 25 Mio. Dollar
Mary Kate &
Ashley Olsen (Full House) 15 Mio. Dollar
Jonas Brothers (gründeten 2005 ihre Band) 12 Mio. Dollar
Zac Efron (High
School Musical) 5,8 Mio. Dollar
Ashley Tisdale (High
School Musical) 5,5 Mio. Dollar
Emma Watson
(Harry Potter) 5,5 Mio. Dollar
Sie sind zerbrochen
Michael Jackson (Drogenmissbrauch), Macaulay Culkin (Drogen-
und Alkoholexzesse), Judy Garland (Überdosis Schlaftabletten), River Phoenix
(Drogenmissbrauch), Haley Joel Osment (Alkoholprobleme)