Am
Samstag, den 23. Januar 2010 wurden in Saarbrücken im Rahmen des 31.
Filmfestivals Max Ophüls Preis die Gewinner ausgezeichnet. Nachfolgend finden
Sie die Preisträger und die Jurybegründungen.
Der MAX OPHÜLS PREIS 2010:
SCHWERKRAFT, Regie: Maximilian
Erlenwein
Die Verleihförderung
von je 9.000 Euro geht zu gleichen Teilen an:
BIS AUF´S BLUT –
BRÜDER AUF BEWÄHRUNG, Regie: Oliver Kienle
DIE ENTBEHRLICHEN, Regie: Andreas Arnstedt
Der Preis des saarländischen
Ministerpräsidenten: PICCO,
Regie: Philip Koch
Der Preis für den Besten Kurzfilm: SCHONZEIT, Regie: Irene Ledermann
Der SR/ZDF-Drehbuchpreis: SCHWERKRAFT, Regie Maximilian Erlenwein
Der Förderpreis der DEFA-Stiftung: LOURDES, Regie: Jessica Hausner
Der Preis für den Besten Dokumentarfilm
geht zu gleichen Teilen an:
NIRGENDWO.KOSOVO, Regie: Silvana Santamaria
MY GLOBE IS BROKEN
IN RWANDA, Regie: Katharina von Schroeder
Der Preis für den Mittellangen Film:
RAMMBOCK, Regie: Marvin Kren
Sonderpreis für FABIAN HINRICHS
für seine Rolle in Schwerkraft
Der Preis für die Beste
Nachwuchsdarstellerin: NORA VON
WALDSTÄTTEN
Der Preis für den Besten
Nachwuchsdarsteller: SEBASTIAN
URZENDOWSKY
Der Filmmusikpreis: ACADEMIA PLATONOS – PLATO’S ACADEMY,
Regie: Filippos Tsitos
Der Publikumspreis: BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG,
Regie: Oliver Kienle
Der Preis der Schülerjury:BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG,
Regie: Oliver Kienle
Der Interfilmpreis: SUICIDE CLUB,
Regie: Olaf Saumer
Der MAX OPHÜLS PREIS 2010
fördert und honoriert Nachwuchs-Regisseure/innen im deutschsprachigen Raum.
Der MAX OPHÜLS PREIS 2010, für den Spielfilme mit einer Länge ab ca. 65 Minuten
nominiert werden können, ist dotiert mit €18.000 (inkl. €3.000 Kopienwert) und wird von der Jury ermittelt. Für den mit dem
MAX OPHÜLS PREIS ausgezeichneten Film steht zusätzlich eine Verleihförderung
in Höhe von €18.000 zur Verfügung.
Dieser Preis kann auf Empfehlung des ausgezeichneten Regisseurs/der ausgezeichneten
Regisseurin der Verleihfirma des Films in Deutschland, Österreich oder der
Schweiz auf Antrag zugesprochen werden, die die Distribution des Films neu
übernimmt. Der MAX OPHÜLS PREIS wird von CosmosDirekt, dem Hauptsponsor des
Festivals, ausgestattet.
Der MAX OPHÜLS PREIS geht an den
Regisseur Maximilian Erlenwein für
seinen Film SCHWERKRAFT
Jury-Begründung
SCHWERKRAFT überzeugt durch absolute Stilsicherheit und erinnert
in seinen besten Momenten an Filme der Coen Brothers. Der Film erzählt von den
irrationalen Abgründen im menschlichen Charakter genauso wie den Sehnsüchten
und der volatilen Suche nach einem intensiven Leben, Freiheit und Liebe. Der
Film taucht seine Geschichte in absurden, schwarzen Humor und erzählt sie doch
mit Wärme, Romantik und Herzlichkeit, was eine delikate Genre-Mischung und
einen schwierigen Akt der Balance für den Regisseur und die Darsteller
bedeutet, die sie bravourös gemeistert haben.
SCHWERKRAFT funktioniert sowohl als tiefgründige Charakterstudie als auch als
Drama und subversive Komödie und schafft es, trotz seiner leicht überhöhten Art
des Erzählens immer geerdet und lebensbejahend zu bleiben, publikumszugänglich,
unterhaltsam, spielerisch und überraschend. Die Visualität von SCHWERKRAFT ist
eine Kinovisualität, lakonisch, aber auch stilisiert, genau und modern, die
schauspielerischen Leistungen von Fabian Hinrichs und Jürgen Vogel sind
originell und treffsicher und das Casting bis in die kleinsten Rollen stimmig zusammengesetzt
und in der Inszenierung überzeugend geführt. Wir freuen uns auf den nächsten Film von
Maximilian Erlenwein.
Die Verleihförderung
von je €9.000 geht zu gleichen
Teilen an:
BIS AUF´S BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG,
Regie Oliver Kienle
BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG ist ein kraftvoller, linearer Film, der
immer nach vorne geht, dynamisch, jung, verspielt und unterhaltsam. Der
Regisseur erzählt seine kleinen Geschichten um Jugendkriminalität,
Freundschaft, zerbrochene Träume und Verrat mit Selbstbewusstsein, Humor,
Hoffnung und Herz. Er kennt das Umfeld, von dem er erzählt und stellt die
Sprache und Kultur seiner Protagonisten glaubwürdig dar, ohne jemals den moralischen
Zeigefinger über sie zu erheben. Außerdem spürt man BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF
BEWÄHRUNG eine große Energie, Leidenschaft und Freude am Erzählen an und kann
sich von den darstellerischen Leistungen der jungen Schauspieler begeistern lassen.
DIE ENTBEHRLICHEN, Regie Andreas Arnstedt DIE ENTBEHRLICHEN ist ein Schauspielerfilm durch und durch, der vom
Herzblut des Regisseurs und der Spielfreude des engagierten und gut geführten
Ensembles lebt. In seinen stärksten Momenten ist der Film glaubhaft, direkt und
berührend und erzählt in menschlicher, warmer und überraschender Art und Weise
vom Leben, Glück und Leid einer Familie im Schatten der Gesellschaft. Besonders
hervorzuheben ist die Leistung des jungen Schauspielers Oscar Böckelmann.
Die Jurymitglieder sind: Iris Baumüller-Michel, Thomas Imbach, Marco
Kreuzpaintner, Simon Verhoeven, Thomas Woschitz
Der PREIS DES SAARLÄNDISCHEN
MINISTERPRÄSIDENTEN 2010 ist mit €5.500 dotiert und wird an einen Regisseur/eine Regisseurin
vergeben, dessen/deren Film beim Festival seine deutsche Erstaufführung
erfährt. Der Preis wird durch eine Verleihförderung in Höhe von €5.500 ergänzt. Dieser
Preis kann auf Empfehlung des ausgezeichneten Regisseurs/der ausgezeichneten
Regisseurin der Verleihfirma des Films in Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf Antrag zugesprochen werden, die
die Distribution des Films neu übernimmt.
Der PREIS
DES SAARLÄNDISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN 2010 geht an den Regisseur Philip Koch für seinen Film PICCO
Begründung
Der Film PICCO macht es uns nicht einfach. Er tut weh. Er
schockiert uns in einer Art und Weise, die wir als Zuschauer nicht gewohnt
sind. Wir erwarten ein deutsches Sozialdrama. Wir erwarten Momente der
Hoffnung. Wir erwarten den Moment, in dem die Klaviermelodie einsetzt und alles
sich zum Guten wendet. Hier aber kommt keine Klaviermelodie. Denn PICCO ist
kein typisches deutsches betroffenes Sozialdrama, sondern ein dunkler Traum,
aus dem es kein Aufwachen und kein Aufatmen gibt. So gesehen ist PICCO in
seiner Konsequenz eher ein Genre Film, ein Horrorfilm.
PICCO erzählt von der Hoffnungslosigkeit in einem deutschen Jugendknast und er
gibt dem Zuschauer genauso wenig die Möglichkeit, aus diesem System und der
Zelle zu entkommen wie den Zelleninsassen. Man kann über diesen Film leidenschaftlich
streiten. Man kann diesen radikalen Ansatz gut oder schlecht finden. Man kann
sagen, das möchte ich als Zuschauer nicht mit ansehen und aushalten müssen. Worüber
man aber nicht streiten kann, ist, dass PICCO herausragend gemacht ist. Er ist handwerklich,
was die Kameraführung und die intensive Bildsprache betrifft, die gesamte
Stilistik bis hin zum Farbkonzept, die szenische Inszenierung und natürlich
auch die schauspielerischen Leistungen dieses talentierten, jungen Ensembles,
ein gelungener Film, präzise und stimmig geführt. Ein Kinofilm.
Wir vergeben den Preis des saarländischen Ministerpräsidenten an PICCO auch in
der Hoffnung, dass man sich auch auf politischer Ebene mit diesem Film
auseinandersetzt. Auch wenn es weh tun kann.
Die Jurymitglieder sind: Iris Baumüller-Michel, Thomas Imbach, Marco
Kreuzpaintner, Simon Verhoeven, Thomas Woschitz
Der Preis für den BESTEN KURZFILM
2010 wird von der Jury an einen Regisseur/eine Regisseurin für einen Film aus
dem Kurzfilmwettbewerb (Kurzfilme bis ca. 30 Minuten) vergeben. Der Preis wird
von den Stadtwerken Saarbrücken zur Verfügung gestellt und ist dotiert mit €5.000.
Der Preis für den BESTEN KURZFILM 2010 geht an Irene
Ledermann für ihren Film SCHONZEIT
Jury-Begründung
SCHONZEIT ist ein sehr poetischer, persönlicher Film. Er schwebt
über die Leinwand, funktioniert wie ein Traum, ganz über Emotion, über
Atmosphäre und Stimmung. Er setzt seine filmischen Mittel gekonnt sein und
schafft es, ohne viel Worte zu erzählen, ohne zu kommentieren und zu erklären,
SCHONZEIT bevormundet das Publikum nicht, sondern vertraut auf den Subtext, der
im Kopf des Zuschauers entsteht und erzählt dabei vom emotionalen Leid und
Innenleben eines Kindes auf sensible, phantasievolle und berührende Art und
Weise.
Die Jurymitglieder sind: Iris Baumüller-Michel, Thomas Imbach, Marco
Kreuzpaintner, Simon Verhoeven, Thomas Woschitz
Der SR/ZDF-DREHBUCHPREIS 2010, der
zur Förderung der Arbeit von Drehbuchautoren/innen im Nachwuchsbereich vom
Saarländischen Rundfunk und dem ZDF im Rahmen des Festivals vergeben wird, ist
mit €13.000 dotiert. Der Preis
wird einem Autor/einer Autorin eines bereits verfilmten Buches aus dem
Wettbewerb zugesprochen.
Der SR/ZDF-DREHBUCHPREIS
2010 geht an den Autor und Regisseur Maximilian
Erlenwein für seinen Film SCHWERKRAFT
Jury-Begründung
Mit einem Knall ist man mitten im Film – einem Film, der die konventionellen
Erwartungen an das Genrekino geschickt unterläuft und damit bei weitem
übertrifft. Nach dem Selbstmord seines Kunden, den er mit einem Kredit in den
Ruin getrieben hat, bricht der Bankangestellte Frederik Feinermann aus seinem
sterilen Leben aus. Selten ist man einem Helden bereitwilliger auf die schiefe
Bahn gefolgt. Erzählt wird diese Geschichte einer Befreiung durch ein
mitreißendes Nebeneinander von Humor und Härte, das bis zum letzten Lächeln von
Feinermann überrascht und unterhält. Jedes gute Drehbuch hat eine Struktur und
den besten merkt man sie nicht mehr an. In diesem Sinne besticht SCHWERKRAFT
durch seine enorme Leichtigkeit. Diesem restlos gelungenen Film ist nur noch
eines zu wünschen – viele Zuschauer und deshalb einen Titel, der ihm gerecht
wird. Für seinen ersten langen Film SCHWERKRAFT zeichnet die Jury den Autor und
Regisseur Maximilian Erlenwein mit dem SR-ZDF-Drehbuchpreis aus.
Die Jurymitglieder sind: Daniel Blum, Anette Kührmeyer, Jan Henrik Stahlberg
Der FÖRDERPREIS DER DEFA-STIFTUNG
wird als Stipendium in Höhe von €4.000 an einen Film aus der Reihe „Spektrum” vergeben. Bei
besonders innovativen filmkünstlerischen Vorhaben ist eine Erhöhung des Stipendiums durch den Förderausschuss der Stiftung nach
Einreichung eines Förderantrags möglich.
Der FÖRDERPREIS
DER DEFA-STIFTUNG geht an die Regisseurin Jessica Hausner für ihren Film LOURDES
Jury-Begründung
Eine gelähmte junge Frau erfährt auf ihrer Pilgerreise in einen touristischen
Wallfahrtsort überraschend körperliche Heilung und momentanes Glück. LOURDES
ist in mehrfacher Weise ein berührendes Filmerlebnis. Er ist die realistische Bestandsaufnahme
alltäglichster Vorgänge in einem Wallfahrtsort und zugleich das stille und präzise
Nachdenken über menschliche Grundbefindlichkeiten. Mit distanziertem Blick
setzt sich die junge Regisseurin Jessica Hausner auf eine sehr bemerkenswerte
Weise und mit einer eigenwilligen Filmsprache mit den Themen Leid, Sehnsucht,
Wunder, Vergänglichkeit, Hoffnung und Glaube auseinander. Meisterhaft führt sie
ihre Schauspieler unter denen Sylvie Testud als zerbrechliche junge Frau im
Rollstuhl, trotz ihrer bewundernswerten Leistung, dennoch nur eine von mehreren
gleichwertigen Figuren in der Pilgergruppe bleibt. Eine poetische, humorvolle Parabel
über Menschen, die ihre gemeinsame Sehnsucht nach einem geglückten Leben miteinander
verbindet.
Der DOKUMENTARFILMPREIS 2010 wird
von der Jury für einen Film aus dem Dokumentarfilm-Wettbewerb vergeben. Der
Preis wird von der Sparkasse Saarbrücken zur Verfügung gestellt und ist dotiert
mit €7.500.
Der DOKUMENTARFILMPREIS
2010 geht zu gleichen Teilen an
Silvana Santamaria für ihren Film NIRGENDWO.KOSOVO
und
Katharina von Schroeder für ihren Film MY GLOBE IS BROKEN IN RWANDA
Jury-Begründung
Wir haben ein paar tolle Filme gesehen, drei Dokumentarfilme über
Wirklichkeiten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können und zwischen denen
wir uns entscheiden mussten. Dem ersten Film, der uns begeisterte, in dem wir
Leidenschaft, Sinn für Humor und ein hohes Gespür für filmische Erzählweise
erlebten, möchten wir unsere ehrliche Anerkennung aussprechen. Es ist der Film
HOFFENHEIM – DAS LEBEN IST KEIN HEIMSPIEL über den Aufstieg einer
Fußballmannschaft als Sinnbild einer Gegenwart, die uns in ihrer Dynamik oft
überwältigt. Aber am Ende bleiben 2 Filme, die für den Dokumentarfilmpreis in
Frage kommen:
NIRGENDWO.KOSOVO ist die bewegende Geschichte des jungen Roma
Haki, der im Saarland aufwächst und wegen eines Strafvergehens, das er nicht
begangen hat, in den Knast wandert und anschließend ohne seine Frau und seine
kleinen Söhne nach Kosovo ausgewiesen wird. Mit großer Konsequenz setzt die
Regisseurin ihre Kamera auf Haki an, der versucht, im Kosovo zu Recht zu
kommen, und mit seinem Handy dafür kämpft, dass er zurück in seine Heimat nach Deutschland
gehen kann... Die Schlusssequenz wird uns noch lange im Kopf bleiben: Haki
wartet am Flughafen auf seine Frau und seine Söhne... Werden sie kommen?
und
MY GLOBE IS BROKEN IN RWANDA
Der Film überzeugt durch die sensible Filmsprache, mit der der
Genozid erzählt wird. Mit einem unglaublichen Gespür findet und interviewt die
junge Regisseurin die 4 Protagonisten, die für die Tragik und das Trauma dieses
Landes stehen. Die Kamerabilder und die Atmosphäre des Films sind intensiv,
fast zärtlich, als wollten sie uns für einen Moment die Angst nehmen... Die
Montage ist ruhig, unaufdringlich, und gibt uns so viel Raum, dass sich der
Schmerz der jungen Afrikaner auf uns Zuschauer überträgt. Wir haben uns, mit
dem Einverständnis der Festivaldirektion, entschieden, den Dokumentarfilmpreis
2010 an beide Filme zu geben, an NIRGENDWO.KOSOVO von Silvana Santamaria und an
MY GLOBE IS BROKEN IN RWANDA von Katharina von Schroeder.
Die Jurymitglieder sind: Lars-Peter Barthel, Claudia Gleisner, Paul Thiltges
Der Preis für MITTELLANGE FILME wird
vom Publikum für einen Film aus dem Wettbewerb für mittellange Filme (Spielfilme
zwischen ca. 30 und ca. 65 Minuten) vergeben. Der Preis ist mit €5.000 dotiert.
Der Preis für MITTELLANGE FILME geht an den Regisseur Marvin Kren für seinen Film RAMMBOCK
Der SONDERPREIS
geht an FABIAN HINRICHS für seine
Rolle in Schwerkraft
Begründung
Nur in Ausnahmefällen sieht sich das Festival veranlasst einen
Sonderpreis für einen Darsteller zu vergeben. Wenn es das doch tut, dann wegen
einer außergewöhnlichen Leistung auf der Leinwand. Wie sich Fabian Hinrichs vom
angepassten drögen Bankangestellten, der mit seinem Anzug zusammengewachsen
scheint, wandelt zum anarchistischen und systemkritischen Bankräuber, dem das
Leben dann aber wieder anders mitspielt als erwartet – das alles zeigt, dass
außergewöhnliche Filme auch von ihren außergewöhnlichen Darstellern leben.
Der Preis für die BESTE
NACHWUCHSDARSTELLERIN 2010, der für herausragende Leistungen im Bereich Schauspiel
vergeben wird ist dotiert mit je €3.000. Die Darstellerpreise werden von CosmosDirekt, dem Hauptsponsor des Festivals, ausgestattet.
Der Preis für die BESTE NACHWUCHSDARSTELLERIN 2010 geht an Nora von Waldstätten
Begründung
Sie überzeugte schon als eiskalte Mörderin mit tödlichem Blick und
als deutsche Freundin einer marokkanischen Tänzerin. Sie spielt authentisch und
mit exakter Mimik Frauen, die kühl und unnahbar, aber auch zerbrechlich sind.
Man spürt, dass diese Frauen ein Geheimnis haben, das aber nicht offenbart
werden darf. So auch diesmal. In Maximilian Erlenweins SCHWERKRAFT ist sie
wieder eine Frau von zerbrechlicher Schönheit. Immer sind es mehrere Ebenen,
die zusammenwirken und auch hier eine Figur entstehen lassen, die sowohl kühl
als auch verletzlich wirkt. Nora von Waldstätten ist sparsam in ihren Gesten.
Sie reduziert und erreicht damit oft Maximales.
Der Preis für den BESTEN
NACHWUCHSDARSTELLER 2010, der für herausragende Leistungen im Bereich Schauspiel
vergeben wird ist dotiert mit je €3.000. Die Darstellerpreise werden von CosmosDirekt, dem Hauptsponsor des Festivals, ausgestattet.
Der Preis für den BESTEN NACHWUCHSDARSTELLER 2010 geht an Sebastian Urzendowsky
Begründung
Skurrile Charaktere bringt er auf den Punkt, ohne sie der
Lächerlichkeit preiszugeben. Einsamen Sonderlingen vermag er psychologische
Tiefe zu geben, so dass der Zuschauer ihnen in die Seele schaut. In Saarbrücken
konnte man seinen Facettenreichtum schon bewundern als Paul tot war. Jungenhaft,
männlich, verführerisch, abgründig erscheint er in einer Ping-Pong-Familiengeschichte.
2009 spielte er glaubhaft und mit großer Körperlichkeit einen jungen Mann, der
gezwungen wurde als Frau zu leben. In Saarbrücken ist er dieses Jahr in Sergej
Moyas DIE BLAUE PERIODE zu sehen. Sebastian Urzendowsky ist auch dort wieder
herrlich skurril und echt.
Mit dem FILMMUSIKPREIS 2010 der
Saarlandmedien GmbH wird die beste kompositorische Leistung, die Integration
von Sounddesign und Filmmusik und auch Originalität von Songwriting und
Interpretation ausgezeichnet. Die Förderpreissumme von €5.000 wird dem Regisseur
zusammen mit dem Komponisten/Soundartisten verliehen.
Der FILMMUSIKPREIS
2010 geht an Nikos Kypourgos für die
Musik des Films PLATO’S ACADEMY,
Regie Filippos Tsitos
Jury-Begründung
Die Filmmusik-Jury hatte die qualvolle Aufgabe aus 14 zum Teil sehr
emotionalen und perfekt gemachten Filmen die „beste“ Musik zu küren: In welchem
Film wurde das Medium Musik am Besten, am Produktivsten, die Stimmung und den
Inhalt des Films optimal unterstützend, eingesetzt?! Unsere Wahl fiel auf einen
Film, der wahrlich berührt, der im Zusammenspiel reduzierter Mittel voll auf
den Punkt landet, mit der Musik eher sparsam umgeht und mit einem Song von
Status Quo beginnt. Der Film trägt ansonsten eine sehr persönliche, kreative,
sparsame und doch überzeugende Handschrift. Unsere Wahl fiel auf PLATO’S ACADEMY! Herzlichen Glückwunsch!
Die Jurymitglieder sind: Prof. Thomas Duis, Dieter Schleip
Der PUBLIKUMSPREIS geht an den
Regisseur Oliver
Kienle für seinen Film BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF BEWÄHRUNG
Der PREIS DER SCHÜLERJURY, der von
einer eigens einberufenen Schülerjury aus den Wettbewerbsfilmen ermittelt wird,
ist mit €2.500 dotiert und wird von
der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Saarland getragen.
Der PREIS DER SCHÜLERJURY geht an
den Regisseur Oliver Kienle für
seinen Film BIS AUFS BLUT – BRÜDER AUF
BEWÄHRUNG
Begründung der deutsch-französischen
Schülerjury
Dieser Film hat unseren Sprachschatz enorm erweitert. Die Sprache hat uns
geholfen, in das Leben von Jugendlichen in der sozialen Unterschicht einer deutschen
Kleinstadt einzutauchen. Vor dem Hintergrund der von Drogen, Gewalt, Gefängnis
und schwierigen familiären Verhältnissen geprägten Szene erzählt der Film von
Freundschaft, Liebe und Verantwortung. Dem Filmteam gelingt es, die ernsten
Themen spannend und unterhaltsam darzustellen. Obwohl der Protagonist Tommy von
seinem Freund Sule enttäuscht wurde, belastet er diesen nicht und nimmt sogar
eine eigene Strafe in Kauf. Damit durchkreuzt er den Teufelskreis von Gewalt
und Verrat und gewinnt die Liebe seiner Freundin und die eigene Zukunft. Sowohl
die Charaktere als auch die Darsteller haben uns überzeugt. Auch die Hip Hop
Musik passte perfekt zur Handlung und zur Szene.
Die Jurymitglieder sind: Pascal Brach, Valentin Jahnel, Sagessa Raesch, Anna
Schimrigk, Guido Schumacher, Lisa Stroetmann
Der INTERFILMPREIS 2010 zeichnet
einen Film aus dem Wettbewerb aus, der in besonderer Weise existentielle und
gesellschaftliche Fragen und Probleme artikuliert und diese filmästhetisch
anspruchsvoll umsetzt. Der Preis ist mit €2.000 dotiert und wird gestiftet von Johanneskirchenprojekte e.V..
Der INTERFILMPREIS
2010 geht an den Regisseur Olaf Saumer
für seinen Film SUICIDE CLUB
Jury-Begründung
Fünf Menschen, die sich nicht kennen, verabreden sich auf dem Dach eines
Hochhauses zum gemeinsamen Selbstmord. Doch der will nicht gelingen. Olaf
Saumer dagegen gelingen in diesem Low Budget Film dramatische und berührende
Momente im Blick auf das große Thema „Leben und Tod“. Bei aller Ernsthaftigkeit
fehlt es dem Film nicht an Leichtigkeit und Humor. SUICIDE CLUB überzeugt
gerade auch in seinen absurd-komischen Passagen und überrascht den Zuschauer
immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Die fünf auf dem Dach kommen sich im
Laufe eines Tages näher – und machen gerade deshalb nicht einen Schritt nach vorn
in den Abgrund, sondern zurück ins Leben.
Die Jurymitglieder sind: Eva Furrer-Haller, Gudrun Hohenberger, Jörg Metzinger,
Reinhard Middel